Google an die Spitze geschrieben

Der Große Vereinfacher von der Süddeutschen hat heute wiederzugeschlagen, in einem Kommentar „Zwischen den Zahlen“:

„Keiner verkauft so viele Alleskönner-Handys wie die Suchmaschine Google.“

Das ist natürlich Unsinn. Die zu kommentierende Nachricht lautete nämlich: Das Google-Betriebssystem Android – also die Software – hat sich an die Spitze gesetzt. Als Hardware-Wiederverkäufer macht Google bislang keine gute Figur – wie der Große Vereinfacher in der eigenen Zeitung hätte nachlesen können.

DLD dumm didel-di

Hubert Burda ist ein Fuchs. Er weiß, wie man in andere Medien kommt. Man gibt der Avantgarde der digitalen Parallelwelt eine Bühne für den großen Auftritt, und schon kommen wir Trittbrettfahrer von der Analogpresse angelaufen. (Nun gut, wir stimmt nicht ganz, denn ich habe mir die DLD-„Konferenz“ dieses Jahr verkniffen.)

Die Berichterstattung treibt dann schon mal Blüten wie diese (über Google-Chairman-in-spe Eric Schmidt)…

Eigentlich sagt schon der Name MICROsystems, dass Sun das Gegenteil von Großrechnern baute.

oder jene:

Bei Ray Charles sollte sich Jack auf die Straße (Road) schlagen, nicht auf die Reihe.

Inzwischen tun’s längst alle immer

Eine SZ-Wirtschaftsredakteurin offenbarte gestern in einem Fünfspalter mit dem wahnsinnig einfallsreichen Titel „Abkassiert“ über Ebay und Paypal ihre Wissenslücken in Sachen elektronischer Zahlungsverkehr:

„Der Bezahldienst ist längst mehr als der virtuelle Geldbeutel, in den die Internetnutzer immer dann greifen, wenn sie in Ebays virtuellem Auktionshaus etwas ersteigern. Auch andere Bestellungen im Internet lassen sich inzwischen über Paypal abwickeln.“

Längst? Inzwischen? Als wenn es je anders gewesen wäre. Paypal gab es schon seit vier Jahren, als die Gründer 2002 den Laden an Ebay verkauften.

Grober Unfug sind in diesem Kontext natürlich auch der bestimmte Artikel „die“ und das Wörtchen „immer“. Zum einen ist die Zahlungsart bei Ebay nicht den Auktionen vorbehalten, es gibt sie auch beim Sofortkauf. Zum anderen bieten weder alle Verkäufer Paypal-Zahlung an noch sind alle Käufer Paypal-Kunden.

Unglaublicher Stuss ist zudem die Aussage:

„In Deutschland gehen etwa 35 Millionen Menschen für ihre Besorgungen ins Internet statt ins Kaufhaus.“

Kein Mensch geht für „seine Besorgungen“ „ins Internet“  „Inzwischen tun’s längst alle immer“ weiterlesen

Verwirrt von PIN, Chip & Magnet

Dem „Sicherheitsrisiko Magnetstreifen“ (auf der ec- oder Maestro-Card) widmet sich der SZ-Wirtschaftsteil heute. Gute Idee eigentlich. Technisch hat der Kollege aber den Überblick verloren. So lässt er sich darüber aus, dass die Zahlung per Geheimzahl an der Kasse „sicher“ gegen Skimming sei, weil dies über den Chip der Karte funktioniere. Das Problem für den Kartenbesitzer sind aber gar nicht die Kassen (dabei geht es ausschließlich um Sicherheit für den Händler), sondern die Karten selbst. Jede Karte, auch die mit Chip, hat nun mal zusätzlich auch den Magnetstreifen drauf. Und der hat alle Daten drauf, die der Gangster braucht. „Verwirrt von PIN, Chip & Magnet“ weiterlesen

Enthüllt: Den Mac gibt’s seit 1977

Eine sensationelle Information versteckt die Süddeutsche ganz beiläufig im heutigen Wirtschaftsaufmacher. Es geht um den Apple-Chef und Transplantationspatienten Steve Jobs und seine Erfolgsprodukte.

„Im April 1976 gründete er mit Steve Wozniak eine Computerfirma, nannte sie Apple. Ein Jahr später verkauften sie den ersten Macintosh, den Computer mit der Maus.“

Bisher hatte alle Welt geglaubt, der erste Mac sei 1984 in den Handel gekommen und der im April 1977 vorgestellte Computer, der die beiden Steves zu Millionären machte, habe erstens Apple II geheißen und sei zweitens noch mauslos gewesen.

Aber man lernt ja nie aus. Von dem zweiköpfigen Autorenteam, das sich den interessanten Text aus den Fingern gesogen erarbeitet hat, stammt auch die bemerkenswerte medizinische Einordnung der Jobs’schen Lebererkrankung als „Rückfall“ nach seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Bewunderung verlangt mir auch das Rechenkunststück des Duos ab, die Aktie von Apple habe gestern „an den deutschen Börsen zeitweise fast ein Zehntel ihres Werts“ eingebüßt, „mehr als 15 Milliarden Euro“. Meines bescheidenen Wissens lag der Wert der Aktie eher um die 250 Euro. Der Wert des ganzen Unternehmens wiederum liegt nach Ansicht der wahrscheinlich schlecht informierten Redaktion von Onvista bei 240 Milliarden Euro bzw. 320 Milliarden Dollar. Der zum Starrsinn neigende virtuelle Taschenrechner meines Macbooks behauptet, 15 Milliarden seien 6,25 Prozent von 240 Milliarden, nicht fast zehn Prozent.

Leider kann ich dieses unzuverlässige Gerät nicht mehr umtauschen. Ich meine: SZ-Wirtschaftsredakteure können ja nicht irren, oder?

P.S.: Einen Kommentar hat das Blatt auch noch dazu geschrieben. Darin zieht der (am Bericht nicht beteiligte) Autor einen putzigen Vergleich zwischen Jobs und dem 87-jährigen Hariboss Hans Riegel junior, Bonn. Naja, Vergleich? Bekanntlich ist ja nicht alles, was hinkt… Beim kinderlosen Goldbärentycoon geht es eigentlich nur um die Frage, wer den Laden erbt. Bei Apple geht es vor allem darum, dass Tim Cook das Charisma abgeht und es schwer wird, den Medienhype am Kochen zu halten, falls der Star tatsächlich nicht mehr auf die Bühne zurückkehren sollte. Dass Jobs, der seinen Gesundheitszustand in letzter Zeit wohl kaum ignoriert haben dürfte, nicht vorgeplant haben soll, ist schon eine mutige Unterstellung. Er war halt nie der Typ, der das an die große Glocke hängen würde.