Wozu Urheberrecht? (17) – Journalismus braucht Profis

Im Blogpost Nr. 5 hatte ich angekündigt, die Bedeutung des Urheberrechts für die Demokratie zu beleuchten.

Ja, mir ist schon klar, dass der typische Piratist gerade nach dem ersten Absatz kehrt gemacht hat. Die Reizworte „Urheberrecht“ und „Demokratie“ in einem Atemzug, und dann auch noch von einem Journalisten? Das geht gar nicht, das kann nur heuchlerische Propaganda und Selbstbeweihräucherung sein. Schließlich weiß ja jedes Kind, dass das Urheberrecht zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit erfunden wurde und freies Teilen die conditio sine qua non jeder echten Basisdemokratie ist…

Die PiPa-Wähler, die immer noch lesen und sich zu Unrecht angegriffen fühlen, mögen mir verzeihen: Wer monatelang in vielen einschlägigen Foren und Kommentarspalten mitgelesen und gepostet hat, wer für nicht netzpolitisch korrekte Meinungsäußerungen auf hinterhältig-feige Art gemobbt wurde, der macht sich keine Illusionen mehr darüber, dass uns nur eine bescheidene Minderheit der Nerzkrammschrammschlömeristen NICHT so sieht: „Wozu Urheberrecht? (17) – Journalismus braucht Profis“ weiterlesen

Claudia „Code Red“ Kilsch

Claudia Kohde-Kilsch, einstige Tennis-Größe, ist laut dpa jetzt Pressesprecherin von Oskar Lafontaine. Nach Ansicht der Agentur ist die Rote Claudia „Diplom-Journalistin“. Nun ist knapp daneben bereits vorbei, das hier ist mächtig daneben.

Die Ex-Sportlerin hat nicht etwa an der Universität Journalistik studiert, sondern einen Fernlehrgang an einer Berliner Weiterbildungsfirma absolviert. Sie darf sich damit zwar „Fachjournalistin (FJS)“ oder „Fachjournalistin (DFJS)“ nennen, trägt aber nicht den akademischen Titel, den dpa ihr zuschreibt. Vielleicht ist ihr aber auch gar nicht bewusst, dass das ein (gar nicht so) kleiner Unterschied ist: Das Dokument, das die Schulungsfirma ihren Kunden nach erfolgreicher Prüfung der Hausaufgaben schickt, ist mit „Diplom“ überschrieben.

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Nicht „Wissen“ macht nichts

„Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts“, sprühten die Spontis in den 80ern an die Wände.

Heute ist „Wissen“ der Titel der Wissenschaftsseite der Süddeutschen. Da macht es auch nichts, wenn man nichts weiß (oder nicht mitdenkt):

SZ vom 26. April 2012, Seite "Wissen"

Wären es nur 38 Masten gewesen, wären 71 Prozent (das ist die Zahl zu „mehr als zwei Drittel“ – warum nicht „fast drei Viertel“?) der Vögel gegen 0,76 Masten gedonnert. „Nicht „Wissen“ macht nichts“ weiterlesen

SZ erfindet neues Porsche-Modell

SZ vom 26. April 2012, Wirtschaftsteil

Wussten Sie schon? Porsche hat einen neuen Flitzer. Laut SZ von heute scheint es sich um ein Modell namens „SE 911“ zu handeln, das in China schon rumfährt und überhaupt nicht porschig ausschaut.

Tja, Ahnung von Autos müsste man haben. Wer die Buchstabenfolge „Porsche SE 911“ googlet, findet rasch eine Bloomberg-Meldung aus China, die tatsächlich mit diesem Foto dekoriert ist. Es steht aber nicht in der Bildunterschrift, es zeige einen Porsche. Nur im Lauftext kommt der String vor. „Porsche SE“ ist dabei der offizielle Firmenname, „SE“ steht für die Europäische Aktiengesellschaft; das erwähnte Auto ist der ganz normale, bekannte Neunelfer. Wie in Teilen der angelsächsischen Wirtschaftspresse üblich, wird die komplette Firma der Typenbezeichnung wie ein Adjektiv vorangestellt, also hieße es analog „Ford Motor Co. Fiesta“, „Daimler AG Mercedes CLS 500“ oder „Volkswagen AG Golf IV“.

Porsche baut übrigens tatsächlich einen neuen Flitzer. Er wird Macan heißen.

Vor Einstieg in die Politik Gehirn einschalten

Martin Delius ist Pirat, als Politiker also ein Greenhorn. Wer in diesem unserem Lande als normaler Bürger dem politischen Geschehen folgt, weiß allerdings normalerweise auch ohne Politiker-Sozialisation, was man als Politiker auf keinen Fall sagen sollte, wenn man sich nicht völlig unmöglich machen will. Zum Beispiel so etwas.

„Ja, ich habe das wirklich gesagt“, gesteht Delius, und es klingt, als könne er es sich selbst nicht erklären, wie er so einen Schwachfug daherstammeln konnte. Seine eigene Partei mit der Nazionalsozialistischenteutschenadolfspartei zu vergleichen, in einer Zeit, in der jeder über die Probleme der Piraten mit ihren Rechtsauslegern lästert. Bekannt wurde das Malheur am Sonntag, dem 22. April. Wann hat Delius mit dem Spiegel gesprochen? Am Samstag oder gar schon am Freitag???

Was sagt die Netzgemeinde in so einem Fall? Facepalm. Fail. Ein Fall fürs Fremdschämen Erster Klasse. In einer klassischen Partei würde man solch einen Fettnapfspringer sofort aus der Schusslinie treten und ihn wegen parteischädigenden Verhaltens zur Rechenschaft ziehen. Man sollte meinen, dass die Piratisten ihn standrechtlich in den nächsten Shitstorm jagen – mit dem Gesicht voraus.  „Vor Einstieg in die Politik Gehirn einschalten“ weiterlesen