Google muss noch viel lernen

Ich weiß ja nicht, warum diese Veranstaltungen des zuständigen DJV-Fachausschusses immer „Besser Online“ heißen. Das ist zumindest missverständlich, denn es klingt wie: „Hätte er besser jemanden gefragt, der sich damit auskennt!“ Also besser online als offline. Eigentlich ist es aber wohl ein Postulat: Im Online-Segment des Journalismus und auch der PR gibt es Vieles, das verbesserungswürdig wäre.

Zum Beispiel die Pressearbeit des angeblich allwissenden, laut Volks- und Medienmeinung buchstäblich alles unter Kontrolle habenden Konzerns Google. Die ließ bisher so schwer zu wünschen übrig, dass ich eher von Presseuntätigkeit oder Heimlichkeitsarbeit reden würde „Google muss noch viel lernen“ weiterlesen

Investigativ-manipulatives Schreiben nach Zahlen?

„Schreiben nach Zahlen“ überschreibt ein Kollege einen in Berlin und Frankfurt erschienenen Text über „data-driven journalism“, in dem er sich darüber wundert, dass Journalisten „in Zukunft“ angeblich Datenbanken durchsuchten, und feststellt: „Coole Detektivarbeit ist das nicht.“

Obwohl „Verlinkt“ über der Kolumne steht, enthält diese keinen einzigen Link, anhand dessen man checken könnte, was der gute Mann, der seine IT-Kenntnisse bescheiden auf dem Niveau des „unfallfreien“ Schreibens am PC verortet und heute dennoch freiwillig als Online-Redakteur werkelt, ja sogar twittert, da wohl falsch verstanden hat.

Dass er bei der Lektüre der New York Times etwas falsch verstanden hat, ist auch ohne investigative Virtuosität und große Computerkenntnisse ersichtlich, „Investigativ-manipulatives Schreiben nach Zahlen?“ weiterlesen

GM stopfen? Nein, FGM stoppen!

Bin gerade bei Twittwoch gestrandet, bei einer Seite zum Deutschen Social Media Preis 2010.

René Heymann, Chef der Berliner Werbeagentur HBDG AG (Heymann, Brandt, de Gelmini) promotet dort seine bereits anderweitig preisgekrönte Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung. Auf gut Englisch heißt dieses Delikt Female Genital Mutilation oder kurz FGM. Darum nennt sich die Kampagne: „Stop FGM Now!“

Tja, bei Facebook liest sich das leider so:

http://www.facebook.com/stopfgmnow

Da mir die Abk. FGM noch vollk. unbek. war, habe ich natürl. gelesen: „Stopf GM now“. Dass General Motors ein löchriger Socken sei, war sicherlich keine beabsichtigte Assoziation. Vielleicht sollten Werber, die sich für Cracks der „Sozialen Medien“ halten, mal etwas weniger über schickes Design der Websites nachdenken als darüber, wie man möglichst viele Menschen erreicht, die nicht in fremdsprachigen Akronymen denken. Zwei Bindestriche wie in der Web-Domain

www.stop-fgm-now.com

wären ein Anfang. Die Leute wüssten zwar immer noch nicht, wofür FGM steht, aber sie wüssten, dass sie etwas stoppen sollen, und würden vielleicht neugierig. Noch besser wäre natürlich, man würde sich die Arbeit machen, statt einer einzigen internationalen Kampagne viele machen, die die Sprachen der Adressaten sprechen.

Arme DB-Pressestelle

Nochmal Bahn: Die Pressesprecher von Rüdiger Grube können einem leid tun. Da schien es, als sei nach dem Abgang von Hartmut Mehdorn das Schlimmste überstanden, und dann kam ein Chef, der das nicht mit Absicht macht: seine Firma in den Grund und Boden des Stuttgarter Schlossgartens reden.

Die Summe dessen, was der Mann rund um das Thema „S21“ vom Stapel lässt, ist das beste Argument, das einem Befürworter der Autorisierung von Interviews einfallen könnte. Einer muss noch mal drüberlesen. Aber nicht, weil der Boss sich dergestalt verplappern würde, dass er Pläne ausplaudert, die aus Konzernsicht nicht für die Öffentlichkeit bestimmt wären. Sondern weil er im Gegensatz zum lustvoll-selbstdestruktiven Provokateur Mehdorn gar nicht merkt, wenn er mit Worten Schäden an seinem Unternehmen und am Gemeinwesen anrichtet, die nur schwer zu reparieren sind. Wenn die Bürger wieder einen Hass auf die DB entwickeln „Arme DB-Pressestelle“ weiterlesen

Wenn Grube gräbt und die Redaktion reinfällt

„Wir gewinnen durch die Tieferlegung des Bahnhofs 100 Hektar neue Stadt. Das entspricht einem Drittel der Fläche von Stuttgart. …

Es entstehen dort langfristig 10.000 neue Arbeitsplätze.“

Rüdiger Grube, Bahnchef, in der SZ vom 2./3. Oktober 2010

Nehmen wir zu Gunsten der drei interviewenden Redaktionsmitglieder – zwei von ihnen immerhin aus dem Wirtschaftsressort und daher der Grundrechenarten vermutlich mächtig – mal an, dass Grube das wirklich so gesagt hat und es kein Lapsus beim Abtippen des Interviews war. Es kann aber nicht sein, dass er das gemeint hat, was der Leser versteht. Dass er glaubt, die Stadt Stuttgart sei nur 300 Hektar groß.

So doof kann so ein hohes Tier schlichtweg nicht sein. Die Blamage wäre so immens, dass sich der Mann nur noch ohne Abfindung verabschieden und auf Jahre hinaus im Keller verkriechen könnte. Mit dem Synonym „Stuttgart“ kann Grube nur die Fläche der Stuttgarter Liegenschaften der DB  AG gemeint haben, wie er sie in seiner Bilanz sieht. „Wenn Grube gräbt und die Redaktion reinfällt“ weiterlesen