Energiewende kostet – na, was wohl? – Geld

Wenn es nur BILD wäre. Aber nein:

„Energiewende kostet Milliarden“

Süddeutsche Zeitung von heute, Aufmacher Seite 1

Bei dieser Schlagzeile musste ich an Karl Mekiska denken. Der war vor gut 30 Jahren Dozent an der Deutschen Journalistenschule – und Nachrichtenchef der SZ. Von ihm habe nicht nur ich, von ihm hat auch der heutige Chefredakteur der SZ gelernt, was eine gute Headline ist. Meki hätte uns seine Zeitung hingehalten und mit seinem bähmischen Akzent die rhetorische Frage gestellt: „Iiist das eine Nachricht?“ Um selbige dann, während wir noch zögerten, den Meister zu kritisieren, höchstpersönlich in der Luft zu zerreißen.

Also, mit Verlaub, lieber Kurt: Ich weiß ja nicht, wer bei Euch gestern Abend Dienst hatte. Habt Ihr wie einst die taz für einen Tag Kai Diekmann rangelassen? „Energiewende kostet – na, was wohl? – Geld“ weiterlesen

So wohnt Berlin nicht…

…liebe Kollegen von SZ-Magazin, die Ihr meintet, Eure gestrige Ausgabe mit der Behauptung „So wohnt Berlin“ aufmachen zu müssen. Nein, so wohnt ein Teil der Berliner Prominenz, zu der übrigens Wolfgang Joop „So wohnt Berlin nicht…“ weiterlesen

Neues aus der Redaktion: Lieblos, witzlos, sinnlos

„Fast 1.000 angemeldete Journalisten, aber wenig Interaktion.“

„963 registrierte Journalisten, aber nur zwei ausgeschriebene Aufträge. Ein belebter Basar funktioniert anders. Gut vier Wochen nach dem Start kommt es noch selten zu Geschäften zwischen den Medienschaffenden auf dem neuen Presseportal, das die Deutsche Post Anfang März ins Leben gerufen hat.“

Zwischenbilanz auf journalist.de

Leider kann man nicht online mitverfolgen, ob – und wenn ja: wieviele – Fertigartikel verkauft wurden. Auf jeden Fall fühle ich mich in meiner Skepsis und Kritik bestätigt. Bis dato ist dieredaktion.de eine Contentschleuder, die vor allem vom Springer-Verlag „Neues aus der Redaktion: Lieblos, witzlos, sinnlos“ weiterlesen

Süddeutsche Seitenschinder

Noch mal zu der opulenten Licht-Doppelseite im Wirtschaftsteil, die die SZ heute auf der Titelseite ankündigt:

Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Substanz eine Qualitätszeitung heute ihre Seiten füllt:

Über fünf Spalten hinweg macht sich eine Regenbogengrafik breit, deutlich größer als ein DIN-A4-Blatt, angeblich ein Foto des bekannten Lichtbildners mit dem Künstlernamen Ohne Honorar, erkennbar an dessen Kürzel „oh“.

Drei Aufmacher-Spalten trägt ein Feuilleton-Kollege bei. Sein Text gehört eigentlich ins Genre „Entertainment für Bildungsbürger“, war also wohl ursprünglich für die Wochenend-Beilage gedacht und ist auf wundersame Weise in der Wirtschaft gelandet. „Süddeutsche Seitenschinder“ weiterlesen

Verrückte Proportionen

Zu den Aufgaben von uns Wirtschaftsjournalisten gehört es, Zahlen in richtige Relationen zu setzen. Diese Einordnung ist besonders wichtig, wenn es um Zahlen geht, die aus Sicht von Laien sehr groß sind, aus Sicht von Unternehmern oder Politikern aber keineswegs. Berühmtes Beispiel: In den Neunzigerjahren waren 50 Millionen Mark für Zeitungsleser viel, für Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper Peanuts.

In der Süddeutschen Zeitung von heute (Print, Doppelseite im Wirtschaftsteil über elektrisches Licht) ist von 50 Millionen Euro die Rede, also Peanuts mal zwo. Diese Summe investiert Osram – wie auf einer Doppelseite im Wirtschaftsteil zu lesen – innerhalb von drei Jahren „allein“ in die Regensburger Fabrik für Dioden-Leuchtmittel (LED und OLED). Pro Jahr sind das also 16 oder 17 Millionen. Solche Beträge in ein wichtiges Werk zu stecken, ist aber nichts Ungewöhnliches „Verrückte Proportionen“ weiterlesen