Leistungsschutzrecht? Gefällt wohl niemandem.

Meldung aus dem na-Presseportal

Vor genau einer Woche hat der Zeitungsverlegerverband zum Abschluss der Münchner Medientage Google wegen Äußerungen zum Leistungsschutzrecht attackiert – per Pressemitteilung, die auch über „news aktuell“ verbreitet wurde, eine Tochter der dpa.

Dort kann die Zielgruppe – Journalisten und andere Menschen, die aus beruflichen Gründen PR-Texte freiwillig lesen – inzwischen ihr Gefallen via Facebook bekunden. Wie man sieht, gab es in dieser Woche niemanden, der fand: „Gefällt mir.“

Sabotage im Redaktionssystem

Es gibt Sätze, die schreibt niemand. Nicht einmal der schlimmste Zeilenschinder denkt sich so einen Quatsch aus. Wenn heute ein Einspalter im Lokalteil mit folgendem Lead beginnt, muss also ein Hacker am Werk gewesen sein, der dem Redaktionssystem eine Phrasendresch-Software eingepflanzt hat:

„In einem 3000 Quadratmeter großen Labor zu forschen, davon träumen viele Wissenschaftler.“

Investigativ-manipulatives Schreiben nach Zahlen?

„Schreiben nach Zahlen“ überschreibt ein Kollege einen in Berlin und Frankfurt erschienenen Text über „data-driven journalism“, in dem er sich darüber wundert, dass Journalisten „in Zukunft“ angeblich Datenbanken durchsuchten, und feststellt: „Coole Detektivarbeit ist das nicht.“

Obwohl „Verlinkt“ über der Kolumne steht, enthält diese keinen einzigen Link, anhand dessen man checken könnte, was der gute Mann, der seine IT-Kenntnisse bescheiden auf dem Niveau des „unfallfreien“ Schreibens am PC verortet und heute dennoch freiwillig als Online-Redakteur werkelt, ja sogar twittert, da wohl falsch verstanden hat.

Dass er bei der Lektüre der New York Times etwas falsch verstanden hat, ist auch ohne investigative Virtuosität und große Computerkenntnisse ersichtlich, „Investigativ-manipulatives Schreiben nach Zahlen?“ weiterlesen

Ver-Störer-Anzeige

Kennen Sie Störer? Nein, nicht die Leute, die Veranstaltungen sabotieren und Redner niederbrüllen. Störer sind vergleichsweise billige Kleinanzeigen, mit denen ein Inserent die gleiche Aufmerksamkeit erhascht wie mit einer teuren Großfläche. Der Trick: Man drängt sich in den redaktionellen Text. Wenn man als Störer ein Foto verwendet, denkt der Leser im ersten Moment, es handle sich um das Bild zum Text. Bis im Verstand die Meldung angekommen ist, dass statt einer redaktionellen Bildunterschrift nur die typografisch minimalistische Dachzeile „ANZEIGE“ zu finden ist, hat das Foto die vom Werbetreibenden angepeilten Zielsynapsen längst erreicht.

Der Trick kann aber haarscharf daneben gehen – wie der Schuss eines baskischen Terroristen. Was suggerieren die Reizworte „Eta“, „Waffen…“, „Gewalt“ über diesem Foto? Richtig: Für 500 Millisekunden denkt man, die iberischen Übeltäter hätten einen deutschen Heimwerkermarkt attackiert.

Ich weiß nicht, ob die Platzierung Absicht war. Falls nicht, sollte man der SZ-Redaktion zumindest danken für die unfreiwillige Anregung, wie man die Störer verjagen und die Kundschaft zum Buchen teurerer Anzeigen motivieren könnte.

Bei der nächsten AKW-Panne in Weitweggistan böte sich an, als Störer ein Werbefoto von Vattenfall, RWE oder EnBW einzuklinken, bei einem Bericht über Verbraucherschutz das einer Mobilfunkfirma; und die BASF ist sicher begeistert, wenn ihr Inserätchen eine Story über Gefahren der Genmanipulation illustriert. 😉

Süddeutsche Litfaß-Stelen

Heute irritiert die Münchner Leib- und Magenzeitung wieder mal den gebildeten Teil ihres Publikums mit ein paar sonderbaren Einfällen:

Ein Foto zeigt die dicken fetten Betonpoller, mit denen die Stadt München sicherstellen will, dass etwaige Selbstmordislamisten-Sprengstofflaster wenn überhaupt, dann nur weit vor dem eigentlichen Festgelände detonieren. Es handelt sich, wie man unschwer erkennt, um zwar frei stehende, nicht aber mit einem Relief oder einer Inschrift versehene Säulen – so definiert das Duden-Fremdwörterbuch den griechisch-stämmigen Begriff Stele. Die Wikipedia präzisiert, unter einer Stele verstehe man meist einen hohen, rechteckigen Pfeiler, beispielsweise einen Obelisken. Von einer Plakatierung wie auf dem Foto wissen die Quellen nichts zu berichten. Insofern sagt das SZ-Bild mal wieder mehr als viele Worte: Bei den Objekten handelt es sich – von der städtebaulich-optischen Qualität her – schlicht und banal um ordinäre, etwas zu niedrig geratene Litfaßsäulen. „Stele“ ist nun nicht direkt als deren bildungsbürgerliches Synonym zu verstehen und schon gar nicht als Euphemismus (selbst wenn die Stadtverwaltung dies glauben sollte): Eine typische Stele dient als Grabmal. Und hier beginnt die sprachliche Unsauberkeit endgültig makaber zu werden. „Süddeutsche Litfaß-Stelen“ weiterlesen