Der Troll von der Bundesbank

Soll ich zum Umgang der Medien mit Thilo S. was posten? Diese Frage habe ich mir schon vor ein paar Tagen gestellt — und erst mal nix getan. Dann kam im Jonet, einer Mailingliste meiner Zunft, die Debatte auf, ich gab meinen Senf dazu, und eine Kollegin meinte, ich solle das doch auch öffentlich machen. Die Frage war: Was ist von der Diskussion im Leserforum der taz zu halten? Und: Ist das rassistisch, was der Mann schreibt?

Hier also mein Senf:

Mir fällt es schwer, mich überhaupt mit jemandem auseinanderzusetzen, der die These vertritt, dass Menschen aus überwiegend islamisch geprägten Ländern wie der Türkei grundsätzlich, nun ja, ökonomisch nutzlos für Deutschland seien, christliche Südeuropäer aber natürlich wertvoll. Abgesehen davon, dass nun wirklich nicht alle Türken fromme Muslime sind, atmet solch eine Pauschaleinschätzung den gleichen „Geist“, der auch rassistische Äußerungen prägt.
Mir ist es ehrlich gesagt wurscht, ob jemand ein rassistisches Scheusal ist oder ein pseudoreligiös motiviertes.

Für mich ist das, was dieser Herr von der Bundesbank mit breiter Unterstützung der Medien „Der Troll von der Bundesbank“ weiterlesen

Kollgein B., bitte ins Computermuseum!

„Wie ein Retter brachte Jobs ein Jahr später (1998) den iMac auf den Markt, der erste Computer, dessen Rechner im Bildschirmgehäuse steckte, ein buntes Ei.“

Süddeutsche Zeitung, 16. August 2010, Wirtschaft, Seitenfüller-Rubrik „Starke Marken“

Ohne auf sprachliche Holprigkeiten eingehen zu wollen (das möge bitte der geschätzte Kollege Hermann Unterstöger im Sprachlabor erledigen):

Kann es sein, dass jemand zwar weiß, dass Steve Jobs 1985 gegen John Sculley den Kürzeren zog, aber nicht mitbekommen hat, dass es damals einen Computer gab, der Macintosh hieß und zwar kein Ei war, aber den „Rechner“ im Bildschirmgehäuse hatte? So wie die etwas unförmigere Lisa zuvor?

Und hat die SZ (wenn sie schon ahnungslose Jungkräfte mit Beiträgen betraut, die noch lebende Zeitzeugen der Grufti-Generation jenseits der 49 aus dem Ärmel schütteln würden) denn kein Archiv mehr? Oder wenigstens einen Webanschluss, den die Schreiber zum Recherchieren nutzen dürfen, etwa in einem der vielen virtuellen Computermuseen? Das wäre vielleicht hilfreich für all jene KollegInnen, die ohne jede Spezialisierung ressortübergreifend alle Themen wegschreiben müssen, die so anfallen bei der Zeitung.

Ach nee, sich vor dem Schreiben schlau zu machen kostet Zeit, ist also zu teuer für die arme SWMH. Newsrooms mit Redakteuren in Massenhaltung wurden ja nicht eingeführt, um die Zeitung besser zu machen, sondern deren Produktion billiger.

Presserat: Warum denn gleich rügen?

Die Initiative „Qualität im Journalismus“ meldet, der Deutsche Presserat setze auf Mediation, also auf Vermittlungsgespräche zwischen Redaktion/en und Leser/inne/n, die sich beschweren. Genau: Wenn schon nicht der wirklichen, so doch der gefühlten Qualität der Zeitungen wird es bestimmt gut tun, wenn die Chefredakteure sich hinter den Kulissen bei den Beschwerdeführern entschuldigen, statt in unbarmherziger Selbstkasteiung jene Rügen abzudrucken, die auszusprechen insbesondere die Verlegervertreter ohnehin eher selten übers Herz bringen.

HandelsblaFTD

„Marxisten besiegen Kapitalisten“, meldet „Finance Today“, ein Newsletter des Holtzbrinckschen Handelsblattes, heute morgen. Der Deutschen Bank sei nicht gelungen, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands aus ihrer Kundenkartei zu streichen. So weit, so schön. Irritierend ist nur, dass die Düsseldorfer da nicht selbst drauf gekommen sind, zumal das Verfahren fast vor ihrer Haustür lief, in Essen. Netter- und fairerweise beweisen sie Größe, indem sie die Quelle angeben: Der Link führt nach Hamburg zur FTD, deren Frankfurter Finanzredakteurin Nina Luttmer die Story aufgetan hat. Auch Links zum FTD-Mutterblatt sind in Finance Today zu finden. Respekt!

WAZ-Co-Boss: Rundfunkgebühr an Freie ausschütten

Kabarettistischer Vorschlag von WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus: Alle, die journalistisch hochwertige Angebote online stellen, sollen etwas von der Rundfunkgebühr abbekommen. Dass er damit die Verlage, deutsche Verlage und nichts als Verlage meint, kann man ihm zwar unterstellen, gesagt hat er’s nicht. Darum deute ich ihn so, dass er Altruist ist und uns Freien etwas Gutes tun will. Nienhaus zu Ende gedacht heißt: Wir brauchen die Verlage nicht mehr und er macht Lobbyarbeit dafür, dass wir trotzdem Geld bekommen. DANKE!