Vernetzt die Nase vorn

PRODUKTIVITÄT. Während die Computerbranche schwächelt, laufen die Anwender ihrer Produkte zur Höchstform auf. Fünf Beispiele, wie clevere IT-Manager deutsche Unternehmen voranbringen.

TEXT_ Ulf J. Froitzheim und Sascha Mattke

Thomas Jäger gaukelt seinem Chef gern Dinge vor. Er tut etwa so, als wäre das Interieur des neuesten Mercedes-Modells schon fertig, und lässt Pkw-Entwicklungsleiter Hans-]oachim Schöpf auf dem Fahrersitz des Autos Platz nehmen, von dem nicht einmal ein Holzmodell existiert. Solche fernsehreifen Illusionen gehören zu Jägers Alltag. Als Leiter des Virtual Reality Centers von DaimlerChrysler in Sindelfingen ist der 37-Jährige ein Virtuose der dreidimensionalen Live-Simulation: Sein Instrumentarium reicht von der Holo-Bench, einer virtuellen Werkbank zur Begutachtung geplanter Kfz-Teile, bis zur holografischen Bühne, die selbst ein S-Klasse-Fahrzeug fasst. Die gewaltigen Digitalprojektoren, mit denen die fast lebensechten Bilder in den Raum gebeamt werden, sind vernetzt mit Computern, wie sie schon Steven Spielberg beim Dreh von »Jurassic Park« eingesetzt hat. „Vernetzt die Nase vorn“ weiterlesen

Quam: Handymann mit Moorhuhn-Trick

ERNST FOLGMANN hat Deutschlands undankbarsten Job: Mit spärlichem Marketing-Budget soll der Geschäftsführer der Group 3G UMTS GmbH die neue Mobilfunkmarke Quam etablieren.

Noch vor ein paar Monaten war Ernst Folgmann ein Nobody. Weder als Bosch·Manager noch als Chef der gescheiterten Richtfunkfirma Firstmark hatte er Aufsehen erregt. Seit kurzem sucht der 53-jährige nun das Rampenlicht.

Dort überspielt Folgmann mit gequältem Lächeln, dass er sich den undankbarsten Job der deutschen Wirtschaft geangelt hat. Der Geschäftsführer der Group 3G UMTS soll die 16 Milliarden Mark einspielen“ die die Münchner Telefónica-Tochter für die UMTS-Lizenz ausgegeben hat. Problem: Folgmann hat bislang weder ein Produkt noch einen Kunden, muss sich aber als Gegenspieler von fünf etablierten Mobilfunkkonzernen profilieren. „Unser Ziel ist es, einen Marktanteil von zehn Prozent zu gewinnen«, so Folgmann. Sein Marketing-Budget allerdings liegt im sehr bescheidenen zweistelligen Millionenbereich.

Der erste Coup ist dem Außenseiter dennoch gelungen. Mit seiner Marke Quam sponserte er die Veröffentlichung des PC-Spiels Moorhuhn 3. Nicht ohne Hintergedanken: Wer die Datei kostenlos von der »Bild«-Website herunterladen wollte, musste einige personenbezogene Daten eintippen – erstes Adressmaterial für den Marktstart von Quam im Dezember. Mangels eigenen Funknetzes tritt der Neuling zunächst als Wiederverkäufer des Konkurrenten E-Plus an. UJF

Erschienen in BIZZ 12/2001.

In der zweiten Reihe

DIGITAL-TV. Das Zukunftsfernsehen kommt nach Deutschland: TV, Turbo-Internet und Telefon im Paket. Die meisten Zuschauer müssen jedoch noch viele Jahre darauf warten.

Miranda Curtis hat eine Art zu reden, die bei Menschen Wunder wirkt: Alle hören aufmerksam zu. Sogar der quirlige Erwin Huber, als bayerischer Staatskanzleichef Edmund Stoibers Minister für Fernsehangelegenheiten, hielt still, bis Curtis auf den Münchner Medientagen im Oktober ihr Statement beendet hatte. Die Präsidentin von Liberty Media International referierte über die Pläne der Übernahme des Telekom-Breitbandkabels in 13 der 16 Bundesländer Anfang 2002 und dessen Ausbau zum zukunftstauglichen Multimedia-Netzwerk. Anschließend strahlte der CSU-Mann sie an. Er versprach, ihr den roten Teppich auszurollen, wenn sie sich für Bayern entscheide und dort Arbeitsplätze schaffe. Die Umworbene, Außenministerin im globalen Reich des amerikanischen Kabel-TV-Moguls John Malone (BIZZ 10/2001), ließ den bajuwarischen Charmebolzen erst einmal schmoren.

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Spielzeug Auto

MULTIMEDIA FÜR DIE STRASSE. Der nächste Stau kann kommen: Mit dem Monitor im Armaturenbrett kommt so schnell keine Langeweile auf. Doch kluge Käufer warten noch.

 

Kauft den noch jemand, einen Passat mit elf Jahren und 180000 Kilometern auf dem Buckel? Zum Verschrotten ist er viel zu schade. »250000«, konstatiert Michael Siebert, Kfz-Meister in München, »sind doch für einen VW-Motor heute kein Problem mehr.« Wenn der weiße Kombi seinen finalen Tachostand erreicht, ist er15 jahre alt – und hat zehn PC-Generationen überlebt.

Auto und Computer – das waren bisher zwei Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein konnten. jede hatte ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Werte: hier Langlebigkeit, da ex-und-hopp. Als der Passat im Werk Emden vom Band lief, fassten Festplatten keine 20 Gigabyte, nur 20 Megabyte. Es gab keine Handys, keine Flachbildschirme, kein World Wide Web. Das informationstechnische Mittelalter liegt nicht einmal ein Autoleben zurück. „Spielzeug Auto“ weiterlesen

PORTRÄT: Selbstverliebter Gönner

PAUL ALLEN wurde als Gründer von Microsoft zum drittreichsten Mann der Welt. Jetzt macht er Furore als Investor, Wohltäter und Mäzen – mit Hang zur Egozentrik.

Als Bill Gates ihn 1975 aus dem regenkühlen Seattle in das staubtrockene Albuquerque in New Mexico schickte, konnte Paul Gardner Allen noch nicht ahnen, dass dieser Trip für beide der erste Schritt zu unermesslichem Reichtum bedeutete. Denn die Geschäftsreise schien zunächst ein Reinfall zu werden. Der 22-jährige Informatikstudent Allen versuchte, dem Computerbauer Ed Roberts die von ihm und Gates entwickelte Programmiersprache Basic zu verkaufen. Roberts, Entwickler des ersten Microcomputers der Welt names Altair, entpuppte sich nicht als visionärer Konzernlenker; sondern als Chef einer Provinzfirma. So reiste Allen vermeintlich erfolglos zurück nach Seattle zu seinem Kumpel, dem damals 19-jährigen Jurastudenten William Henry Gates III.

Der Erfolg stellte sich erst mit Verzögerung ein. Allen, der mit seinem starken Bartwuchs erheblich erwachsener wirkte als der milchgesichtige Gates, hatte mit dem Hardware-Pionier Roberts eine enge Zusammenarbeit vereinbart und sich sogar bei Roberts einquartiert. Gates folgte ihm nach und siedelte ebenfalls nach New Mexico um. „PORTRÄT: Selbstverliebter Gönner“ weiterlesen