Quotentop, Quotenflop

Ich hatte mich schon über die Sensationsquote dieser Schwachshow gewundert. Aber noch bevor ich den Link im Kressblitz klickte, hatte die Redaktion den Fehler bemerkt. An der Stelle passt das Komma viiiiel besser!

Fehlerverfertiger und Goldmatratzen

Armer Kollege Reinhard Brembeck: Ein Schlussredakteur bei der Süddeutschen hat die automatische Rechtschreibkorrektur über den Beitrag „Traumklangverfertiger“ laufen lassen und versehentlich die schwachsinnigen Verschlimmbesserungsvorschläge der Software per Mausklick akzeptiert. Aus „kantenlosem Schönklang“, nur so als Beispiel, wurde so der „faltenlose Schönling“.

Die SZ braucht aber keinen überlasteten DAU in der Schlussredaktion, um Unsinn in Druck gehen zu lassen. Aktuelle Beispiele gefällig?

– Schlimm genug, dass 6000 Hektar (also 60 Quadratkilometer) schönen Bayernlandes pro Jahr zubetoniert werden. Aber das ist nicht, wie das Wirtschaftsressort (9.6.) meint, die Fläche einer Stadt wie Augsburg, sondern nicht einmal die Hälfte (von 147 Quadratkilometern).

– Die IP-Adressen bestehen nicht aus 32 oder 128 Ziffern (Wirtschaft, 8.6., „Dolmetscher“), sondern aus 32 oder 128 Einsen und Nullen (Binärzahlen). In Ziffern (Dezimalzahlen) sind es bei IPv4 gerade mal elf bis zu zwölf.

– 32 Jahre sind zum Glück nicht, wie in der Politik (9.6.) zu lesen, die „relativ großzügige Restlaufzeit“, „Fehlerverfertiger und Goldmatratzen“ weiterlesen

Ein Professor mit dem Kontrabass

„Chinesen verklagen Medion“

…schreibt das Handelsblatt lustigerweise über Aldis Computer-Hauslieferanten Medion…

„Der chinesische Technologiekonzern Artificial Life hat den als Aldi-Lieferanten bekannten Elektronikspezialisten Medion auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.“

Tja, erstens ist Artificial Life kein Technologiekonzern, sondern eine ziemlich kleine Softwarebude, ein kleiner Mittelständler, ein Pennystock. Der Kurs ist von rund 80 auf etwa 30 Cent gesackt – und heute, zufällig nachdem das Handelsblatt „Ein Professor mit dem Kontrabass“ weiterlesen

Hysterichia coli? Kripo!

Was noch mehr gelitten hat in den letzten Wochen als die Gesundheit der Deutschen ist die ihres Menschenverstandes. Den kann man nach alledem, was da gedruckt und gesendet wurde, nur als schwer infiziert betrachten.

Der späte Ruf nach der Kripo lässt immerhin hoffen, dass die Denkapparate wieder ihre Funktion aufnehmen. Na endlich! Was war denn bitte so ungewöhnlich an der Idee, bei einem gravierenden Tötungsdelikt die Polizei zu rufen?

Es handelt sich um fahrlässige Tötung in mehr als 20 Fällen und schwere Körperverletzung in Hunderten Fällen. Der eigentliche Serienkiller ist zwar ein Bakterium, aber er findet seine Opfer durch Menschen, die Spuren hinterlassen. Das war daher ganz klar ein Fall für die „Spusi“, die Spezialisten von der Spurensicherung, und für gestandene Kriminalisten. Deren Job besteht ja erst in zweiter Linie darin, die Täter dem Staatsanwalt zu übergeben. Ihre oberste Aufgabe besteht darin, die Bürger zu schützen und weitere Todesfälle zu verhindern. Die Unterstellung, dass Landeskriminalämter dies noch schlechter machen würden als die Lebensmittelaufseher, kann man getrost als grundlose Verunglimpfung der Polizisten ansehen.

Die Indizien, dass Sprossen aus Bienenbüttel verseucht waren, „Hysterichia coli? Kripo!“ weiterlesen

Tiefer Griff in die Portokasse

Beim Handelsblatt arbeiten offenbar arme Schlucker. Kollegen, für die astronomische Zahlen schon im sechsstelligen Bereich anfangen (und – by the way – keine Ahnung von der Branche haben, denn sonst kennten sie den Unterschied zwischen einem SAP-Wettbewerber und einem Nischenanbieter). Anders kann man sich diese Überschrift nicht erklären:

SAP muss tief in die Tasche greifen

07.06.2011, 12:50 Uhr

Der Softwarehersteller SAP muss wegen der milliardenschweren Übernahme des Wettbewerbers Sybase noch einmal in die Tasche greifen und mehr als eine Million Euro zusätzlich zahlen.

Die eigentliche Nachricht ist: Die Obergrenze für die Anwaltskosten, die SAP der gegnerischen Seite erstatten muss, ist auf gut eine Million Dollar (nicht Euro – der Kurs ist nicht 1:1) beschränkt worden. Das sind etwa 0,2 Promille des Werts des Sybase-Deals.

Okay, die Sache spielt in Amerika. Wer dort ganz tief in die Hosentasche greift, findet vielleicht ein, zwei Peanuts  😉