Durchlauferhitzer gesucht

Wer wissen möchte, welche Anforderungen „die auflagenstärkste überregionale Qualitäts-Tageszeitung Deutschlands mit Sitz in München“ an ihre Mitarbeiter stellt (und welche nicht) und was sie ihnen (nicht) bietet, für den war dieses Inserat in der Wochenendausgabe erhellend:

Für den Ausbau unserer digitalen Produkte suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt

freie Journalistinnen und Journalisten

Ihre Aufgaben:
• in kürzester Zeit auch umfangreiche Texte erfassen, aufbereiten und in Überschriften sowie Teasern interessant ankündigen;
• journalistische Inhalte aus allen Ressorts von Politik bis Sport multimedial anreichern; „Durchlauferhitzer gesucht“ weiterlesen

Klaus von Dahrendorf arbeitet in Schleswig-Anhalt

Korrekturen
❏ In „Riskante Rolle rückwärts“ auf Seite 31 vom 5. Mai wird Rolf Dahrendorf als Verteidiger von Thilo Sarrazin genannt. Dahrendorf ist seit 2009 tot. Gemeint war Klaus von Dohnanyi.
❏ In „Ein verschenkter Feiertag“ auf Seite 25 vom 30. April/1. Mai heißt es, dass in den USA der Tag der Arbeit auf den ersten Montag im Oktober fällt. Das ist falsch. „Labor Day“ ist der erste Montag im September.
❏ In der Deutschland-Karte zu „Deutschland, ganz erneuerbar“ im SZ-Reiseteil vom 5. Mai wurde Schleswig-Holstein fälschlicherweise Sachsen-Anhalt genannt.

aus der SZ vom 7. Mai 2011

Ziesemer steht mit nackten Kleidern da

„Das Internet hat brutal enthüllt, dass wir Journalisten … zum Teil mit nackten Kleidern dastehen.“

Bernd Ziesemer („Halbjournalist“, Ex-Handelsblatt-Chefredakteur und Bissinger-Nachfolger als Corporate-Publishing-Chef bei HoCa/Ganske) im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst.

Auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass sich unsere Kleider etwas anziehen, ist das Gespräch ansonsten lesenswert – weil eine Führungskraft mit Wirtschaftshintergrund ausspricht, was sonst als Gewerkschaftsführerlamento gilt. Zitat:

„…ist es für die Beschäftigten im Journalismus heute brutal geworden. Als ich 1982 von der Gruner+Jahr-Schule kam, war es überhaupt kein Problem, einen Job zu kriegen. Und es war auch völlig klar, dass das eine Festanstellung mit Presseversorgungswerk war und allem, was dazu gehört. Wenn Sie heute versuchen, irgendwo reinzukommen, dann heißt es: Naja, Sie dürfen jetzt erstmal ein halbes Jahr unbezahlt Praktikum machen, danach, wenn Sie Glück haben, kriegen Sie mal ein Vierteljahr eine Schwangerschaftsvertretung, dann vielleicht mal einen Jahresvertrag.“

Verbockter Handelsblattschuss

Das Handelsblatt meldet heute (E-Mail-Ticker):

Dies soll eine Nachricht sein.

 

 

 

 

 

Böcke und Gärtner, Rätselraten, Zöpfe abschneiden: Metaphern gab es heute wohl im Großverbraucher-Sonderangebot. Das ist aber noch lange kein Grund, in einem News-Ticker Kommentare zu verschicken. Meine Meinung kann ich mir noch immer selber bilden.

Bisschen spät, Herr Bissinger!

Schade, dass Manfred Bissinger in seiner aktiven Zeit keine Zeit hatte, über die Dinge nachzudenken, von denen er heute schreibt:

„Und noch etwas dämmerte den Managern zu spät: Dass das Internet ein genialer Marktplatz sein könnte, genialer als alle Rubriken es in ihren Objekten je waren. Warum ist Ebay keinem Verlag eingefallen?“

Manfred Bissinger 2011

Ja, warum eigentlich nicht? Chefredakteure wie Bissinger (dessen Gehalt freilich nicht an Rubrikanzeigen hing) hätten ihre Arbeitgeber vielleicht warnen können – wenn sie denn selbst eine Ahnung gehabt und die 21.-Jahrhundert-Zukunftsstories ihrer Mitarbeiter nicht als Science-fiction abgetan hätten. Eigentlich hätten die Verlagshierarchen aber auch nur die Print-Fachmedien für die IT- oder die Werbebranche zu lesen brauchen. Ohne schlaumeiern zu wollen: Für meine Kollegen bei diesen Magazinen (auch für mich) waren diese Entwicklungen schon im vorigen Jahrhundert ein Thema. Aber den Zeitungsverlegern ging es so gut, dass sie davon nichts wissen wollten. „Bisschen spät, Herr Bissinger!“ weiterlesen