Langsame Zeitung vs. schnelle Funkmedien 1:0

Man soll ja nicht nur meckern, sondern auch loben. Als gestern die Nachricht vom jemenitischen Explosivtoner in HP-Laserjets in Endlosschleife über den Äther ging, fehlten mir im Radio und den Tagesthemen ein wenig der Überblick & der gesunde Menschenverstand, wie ihn die Kollegen von der Süddeutschen bewiesen: Wenn ein einzelner Absender (!) aus dem Jemen (!) ein Billiggerät wie einen Laserjet (!) per teurer Luftfracht (!) an eine jüdische Institution (!) in den USA (!) schickt, muss doch selbst dem dümmsten Cargo-Arbeiter die rote Warnlampe im Hirn angehen.

Jedenfalls dürfte so ein merkwürdiger Vorfall kein Grund sein, gleich loszufantasieren, nun müssten endlich 100 Prozent aller Luftfrachtsendungen ausgepackt, durchleuchtet und vom Hund beschnüffelt werden. Das aber war, nur leicht übertrieben, der Tenor in der ARD.

Der SZ verdanke ich die Erkenntnis, dass in der Frachtbranche nicht nur verantwortungslose Trottel arbeiten. Es ist also so, wie ich es mir gedacht hatte: Für eine Palette Druckerpatronen, die von einem HP-Werk an ein HP-Auslieferungslager geht, gelten schon bisher andere Prozeduren als für individuell aufgegebene Pakete. Wirklich problematisch sind vor allem nur die letzteren. Nach allem, was bisher bekannt ist, braucht sich also kein Journalist um die Industrie und die Luftfrachtbranche zu sorgen. Die werden schon durchzusetzen wissen, dass wichtige Logistikketten nicht durch hektische Pseudo-Sicherheits-Aktivitäten gesprengt werden.

Mordanschlag in der Zukunft

Wenn’s nicht so makaber und das Verbrechen so real wäre, der Skandinavien-Korrespondent der SZ scheint wohl von Mystik-Krimis à Flash Forward inspiriert zu sein, denn er berichtet heute:

„Am Schreibtisch vor dem Fenster saß am 31. Dezember 2010 ein Mitarbeiter der Moschee und verschickte Neujahrsgrüße, als der Schuss fiel.“

Okay, die Jahreszahl muss falsch sein. Aber bemerkenswert ist noch mehr „Mordanschlag in der Zukunft“ weiterlesen

Vielleicht mal mit Konjunktiv probieren?

„Gegen die Funkbelastung von Bahnstrom und Radioaktivität sind metallbedampfte Fensterscheiben und Aluminium-Fensterrahmen eingesetzt worden.“

Aus einem Beitrag im Lokalen der SZ über die „Erdakupunktur am Laimer Kreisel“, mit deren Hilfe die Marktforscher von TNS Infratest in ihrem neuen Fang-Schué-Bürobau vor schädlichen Schwingungen aus dem Untergrund und sonstigen unsichtbaren Gefahren bewahrt werden sollen. Die Autorin referiert „Vielleicht mal mit Konjunktiv probieren?“ weiterlesen

Berliner Osten? Das war mal!

Liebe Feuilleton-Redaktion der SZ,

von Steglitz aus gesehen liegt die Architektenspielwiese namens Mitte nicht mehr „ein paar Kilometer östlich von hier“, wie in dem ansonsten treffenden Artikel über den Bierpinsel- und ICC-Vater Ralf Schüler steht. Die Tempi, als die Insel Westberlin auf allen Seiten von Osten umgeben war, sind passati. Jetzt gilt wieder die ganz normale Kartografie, und derzufolge liegt „Mitte“… nun ja, nicht direkt mitten in der Stadt, aber jedenfalls… NORDöstlich von Steglitz.

DJV: Cato Conen ist dafür und dagegen

Update vom 25.10.2010:

Habe den dicken Stapel aus einigen wenigen neuen und sehr vielen alten Verbandstagsanträgen durchgearbeitet, die die Brandenburger Replikatorentruppe vorgelegt hat, und muss einen Irrtum korrigieren: Diese Filibuster wollen gar keinen anderen DJV, denn dann hätten ihre Anträge ja eine erkennbare Linie, ein klares Ziel. Davon kann keine Rede sein. Der dadaistische Haufen bunter Papiere zwischen zwei Aktendeckeln, genannt Tagungsordner, ist eine Fundgrube voller Widersprüche. Der Meistertitel im Sichselbstdementieren geht nach Potsdam, dem virtuellen Sitz des DJV-LV-BB.

Um sich mal die Proportionen dieser Altpapierschlacht klarzumachen:

125 Anträge kommen aus Brandenburg, 61 aus allen anderen Gremien (Landesverbänden, Fachausschüssen, Bundesvorstand) zusammen. Bravo! Eine klare Zweidrittelmehrheit, leider nur quantitativ.

Fast 100 Anträge aus Brandenburg haben den DJV selbst zum Gegenstand, „DJV: Cato Conen ist dafür und dagegen“ weiterlesen